Architektur

Im April 1956 beschließt die Stadt Duisburg auf Initiative ihres Oberbürgermeisters August Seeling den Neubau eines Museums für moderne Kunst. Das Ziel: ein Haus für die Skulptur des 20. Jahrhunderts zu etablieren und die Sammlungen in einem attraktiven Gebäude zusammenzuführen.

Vorgeschichte

Der Auftrag für diesen Neubau auf dem innerstädtischen Villengelände des Kant Parks erhält der damals in Stuttgart lebende Architekt Manfred Lehmbruck (1913-1992), der Sohn des aus Duisburg-Meiderich stammenden Bildhauers und Namensgebers des Museums. Im Zentrum einer Großstadt gelegen reizt Manfred Lehmbruck gerade diese Einbettung des Museums in einen Park, um „einen Ort der Ruhe und der Besinnung in enger Verbindung von Natur und Kunst sicher zu stellen.

Die Große Glashalle (1964)

Durch die unterschiedlichen Funktionen, die der neue Museumsbau zu erfüllen hat, gestaltet Manfred Lehmbruck auch die drei Bauabschnitte des Museums sehr verschieden. Eine von hohen Glaswänden eingeschlossene große Halle rechts vom Eingang bietet im Rückgriff auf Mies van der Rohes Stahlskelettbauweise fließende Räumlichkeiten für die Sammlungen der Skulptur und Malerei an.

Ursprünglich ist die Große Glashalle, die sich auf mehreren Ebenen und Laufwegen ausdehnt, nicht nur für die Sammlungen, sondern auch noch für Wechselausstellungen gedacht. Die Versetzung um Halbgeschosse und die Anordnung von Geschossen mit wechselnden Niveaustufen soll ein Maximum an Flexibilität und visuellen Durchblicken erlauben. Der „vitrinenartige Glaskubus“ mit der abgehängten hohen Decke erlaubt gleichzeitig alle Möglichkeiten des künstlichen und natürlichen Lichteinfalls.

Der Lehmbruck-Trakt (1964)

Im Gegensatz zu der transparenten Hallenkonstruktion der Großen Halle verarbeitet Manfred Lehmbruck für das skulpturale und malerische Lebenswerk seines Vaters auf der linken Seite der Kassenhalle einen plastisch durchgliederten und betont nach innen gewandten Stahlbetonbau, der sich auf mehreren Galerieebenen mit langen Treppenläufen tief in die Erde eingräbt.

Um ein offenes zentrales Atrium, das als strenges Quadrat gestaltet ist, werden die Binnenräume an der Nord- und Südseite von jeweils zwei gegeneinander versetzten und gewölbten Betonschalen begrenzt. An den Nahtstellen öffnet sich das Haus mit wandhohen Fenstern jeweils zum Park. Durch ein schmales Oberlichtfensterband gewinnt die Decke einen schwebenden Charakter.

Dieser skulpturale Aspekt der Wand- und Raumgliederung entspricht in idealer Weise der Disposition und Beleuchtung der gezielt positionierten Lehmbruck-Skulpturen. Dem langgestreckten und richtungsbetonten Baukörper der großen Halle antwortet hier eine in sich ruhende Raumform, die den ausgestellten Skulpturen „ein Gefühl der Geborgenheit“ verleiht und mit dem Atrium eine zentrale Lichtquelle besitzt.

Der Skulpturenhof

Der erhöhte Skulpturenhof verbindet im Außenbereich die beiden Baukomplexe und öffnet sich zum angrenzenden Kant-Park. Die hier aufgestellten Großskulpturen vermitteln zwischen der geometrisch klaren Architektur des Gebäudes und den fließenden Formen der Natur.

Der Neubau (1987)

Schon bald nach der Eröffnung des Museums im Jahre 1964 stellt sich heraus, dass die ständig anwachsenden Sammlungen und innermusealen Bedürfnisse eine Erweiterung verlangen. Der Rat der Stadt Duisburg entscheidet in Aussicht auf die (nicht realisierte) Übernahme der Buchheim-Sammlung, der Dauerleihgabe einer expressionistischen Gemälde- und Grafiksammlung, im Mai 1983 schließlich einen Erweiterungsbau, der erneut nach dem Entwurf von Manfred Lehmbruck und in Kooperation mit dem Dortmunder Architekten Klaus Hänsch ausgeführt wird.

Für diesen Komplex, der wie bereits in der ersten Museumsplanung vorgesehen, erneut den Skulpturenhof als zentralen Binnenraum aufwertet und in südlicher Richtung erweitert, werden drei verschieden große und fensterlose Kuben auf quadratischem Grundriss miteinander verzahnt.

Eine gläserne Brücke stellt die Verbindung zwischen der Großen Halle und den neu gewonnen Räumen für die Wechselausstellungen (750 Quadratmeter) her. Die Galerien umfassen einen großen und hohen Innenraum, in dem raumgreifende Arbeiten optimal präsentiert werden können. Neben den neuen Sammlungs- und Ausstellungsflächen nimmt der Anbau auch zuvor fehlende Nutzräume wie Bibliothek, Verwaltungsräume, Werkstätten und Depots auf.

Zur architektonischen Gestalt des Erweiterungsbaues, der am 8. März 1987 eröffnet werden kann, schreibt Manfred Lehmbruck anlässlich der Grundsteinlegung 1985: „Der Erweiterungsbau stellt in inhaltlicher und architektonischer Beziehung sowohl einen spannungsreichen Kontrast, als auch eine integrierte Ergänzung zu dem bestehenden Museum dar. Die Architektur löst sich von den rechtwinklig zueinander stehenden Kuben des 1. und 2. Bauabschnittes und zeigt durch die Übereckstellung des Systems um 45 Grad eine neue Ordnung an. Der in drei Baukörper aufgelöste Komplex stellt sich sowohl zum Park als auch zum Hof hin in aufgelockerter und gefalteter Form dar.“