Geschichte

Mit seiner mehr als 100-jährigen Geschichte gehört das Lehmbruck Museum zu den traditionsreichsten Häusern Deutschlands und mit seinem Schwerpunkt auf der Skulptur des 20. und 21. Jahrhunderts zu den wichtigsten Skulpturenmuseen Europas. Und noch heute fühlt sich das Haus, das seit dem Jahr 2000 als Stiftung geführt wird, dem bürgerlichen Engagement verpflichtet, aus dem es hervorgegangen ist.

Das Folkwang-Museum in Hagen ist 1905 Vorbild für dieses Engagement, für einen Bürger/innen-Aufruf zur Gründung eines Kunstvereins. Schon zwei Jahre später übernimmt dieser neben seinen kulturhistorischen Aufgaben auch den Aufbau einer Sammlung zeitgenössischer Kunst, und schon 1912 folgt der erste Ankauf einer Arbeit von Wilhelm Lehmbruck: Die Familie Böninger, Inhaber einer Duisburger Tabakfabrik und Jahrhunderte lang Mitglied der wirtschaftlichen Prominenz der Stadt, erwirbt für den Verein die „Stehende weibliche Figur“ von 1910.

Vier Jahre später, 1916, ist es erneut die Familie Böninger, die den nächsten wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem Museum einleitet: Sie überlässt der Stadt das Grundstück des heutigen Lehmbruck Museums und stellt 30.000 Mark für den Aufbau eines Museums und der Erweiterung der Sammlung zur Verfügung. Bis dieses Museum jedoch Realität wird, dauert es noch einmal neun Jahre. 1925 entwickelt August Hoff als Gründungsdirektor ein Kunstmuseum auf der Basis einer Lehmbruck-Sammlung aus dem Nachlass der Familie, dessen Trägerschaft 1931/32 die Stadt Duisburg übernimmt – der Museumsverein wird zum Förderverein.

1937 dann eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Hauses: Im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ verliert das Städtische Kunstmusem rund 100 Werke, darunter Arbeiten aus Lehmbrucks wichtigster Schaffensphase (1910-1918). Der Guss eines seiner Hauptwerke, „Die Kniende“ (1911), wird in der großen Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt und später von den Nationalsozialisten verkauft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt das Museum wieder zu wachsen, zwischen 1958 und 1960 kann es sich, dank der „Lehmbruck Spende“ des Kulturkreises im BDI, der internationalen Skulptur der Moderne öffnen. Und schon bald wird klar: Die Sammlung braucht einen eigenen Bau. 1964, sechs Jahre nach Baubeginn, wird im Kant-Park das von Wilhelm Lehmbrucks Sohn Manfred errichtete „Wilhelm Lehmbruck Museum“ eröffnet, in dem nun der Lehmbruck-Nachlass präsentiert werden kann.

Ein Museum braucht Freunde

Eine der bis heute wichtigsten Gründungen für das Museum findet 1968 statt: Der „Fördererkreis des Wilhelm Lehmbruck Museums e. V.“ wird ins Leben gerufen. Bis heute unterstützt er als Freundeskreis das Haus bei wichtigen Projekten und übernimmt mit zentralen Ankäufen Verantwortung für die renommierte Sammlung.

In den 1980er Jahren wird das von Manfred Lehmbruck geplante Museum allmählich zu klein für seine Zwecke. Zusammen mit Klaus Hänsch wird Lehmbruck daher beauftragt, einen Erweiterungsbau zu planen, der die vorhandene Ausstellungsfläche nahezu verdoppeln wird. 1987 wird dieser eingeweiht, und im gleichen Jahr kann auch die bis heute bestehende und überregional beachtete Kunstvermittlung ins Leben gerufen werden.

Neben der eigenen Sammlung spielt auch der Kant-Park eine große Rolle für das Lehmbruck Museum. Hier wird 1990, im Jahr der Deutschen Einheit, der heute mit über 40 Kunstwerken bestückte Skulpturenpark eingeweiht. Zusammen mit einer Vielzahl an Kunstwerken im Stadtbild Duisburgs bildet er eine wichtige Schnittstelle zwischen dem Museum und den Bürger/innen der Stadt.

Im Jahr 2000 dann folgen zwei historische Schritte: Zum einen wird die „Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum“ gegründet, in der neben der Stadt Duisburg auch etliche durch die Industrie- und Handelskammer vertretene Wirtschaftsunternehmen sowie der Landschaftsverband Rheinland vertreten sind, zum anderen schließen sich der Museumsverein Duisburg und der Fördererkreis des Museums zum „Freundeskreis Wilhelm Lehmbruck Museum e. V.“ zusammen. Mit Stiftungsgründung rückt auch der Ankauf des Lehmbruck-Nachlasses in greifbare Nähe, der 2008, nach mehr als vierjährigen Verhandlungen, endlich Wirklichkeit wird: 1.141 Werke (33 Skulpturen, 18 Gemälde, 11 Pastelle, 819 Zeichnungen und 260 Druckgraphiken) können so dauerhaft für Duisburg gesichert werden.