Der Lehmbruck-Nachlass

Das Verhältnis zwischen Lehmbruck und der Stadt Duisburg ist durch eine bewegte Geschichte gekennzeichnet. Auf den einzigen Lebzeitankauf – die „Duisburgerin“ von 1912, finanziert von der Familie Böninger – folgt die Absage des Künstlers für eine „Heldenfigur“ auf dem Ehrenfriedhof des Kaiserbergs im Jahr 1915. Erst 1925, sechs Jahre nach dem frühen Freitod des Künstlers, gelingt es August Hoff als Direktor des Museumsvereins, einen großen Teil des Nachlasses Lehmbrucks als Leihgabe von seiner Witwe Anita zu gewinnen.

1927 bereits findet der präfaschistische Angriff auf die Bronze der „Knienden“ statt. Die Nationalsozialisten verfolgen das Lehmbruck’sche Werk als „entartet“, weshalb der Nachlass an die Familie zurückgegeben werden muss. Nur unter größtem und gefährlichem Einsatz sowie unter Hinnahme einiger Kriegsverluste kann die Familie Lehmbruck das Lebenswerk des Künstlers über die NS-Zeit retten. Wegen dieser Erfahrungen erst spät und unter erheblichen Mühen gelingt es der Stadt Duisburg 1964, mit der Eröffnung des von Manfred Lehmbruck geplanten Lehmbruck Museums auch den Lehmbruck-Nachlass leihweise von der Familie zurück zu gewinnen, ohne ihn jedoch vertraglich sichern zu können. Im Laufe der Jahrzehnte erwirbt das Lehmbruck Museum insgesamt 165 Werke des Künstlers.

Zu Jahresbeginn 2005 bietet die Familie Lehmbruck der Stadt Duisburg, der Heimat des Künstlers, den Nachlass vorrangig und befristet zum Kauf an. Das Kuratorium der Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum bewertet die dauerhafte Sicherung des Nachlasses sofort als höchste Priorität.

Nach beinahe vierjährigen Verhandlungen jedoch gelingt es 2009, den umfangreichen Nachlass dauerhaft für Duisburg zu sichern. Für die Sammlung des Museums können nun – vertraglich gesichert – 33 Skulpturen, 18 Gemälde, 11 Pastelle, 819 Zeichnungen und 260 Druckgraphiken gewonnen werden. Diese 1.141 Werke standen bisher nur als Leihgaben der Erbengemeinschaft Lehmbruck zur Verfügung und können nun, dank Unterstützung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Kulturstiftung der Länder, das Land Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW, die Stadt Duisburg sowie die Duisburger Wirtschaft, in einem geglückten Public-Private-Partnership-Modell bis zum Jahre 2011 erworben werden.

Für das Lehmbruck Museum kann die seit langem angestrebte Sicherung des gesamten Lebenswerkes Lehmbrucks als Basis der herausragenden internationalen Skulpturensammlung des 20. Jahrhunderts nicht hoch genug eingeschätzt werden, da mit diesen Erwerbungen das Museum dauerhaft das weltweit einzige Sammlungs- und Forschungszentrum des herausragenden Bildhauers Lehmbruck bleibt.